Wenn der Mund trocken wird:
Der unterschätzte Karies-Beschleuniger im Alter
Der Speichel ist der unsichtbare Held in unserem Mund. Er spült Essensreste weg, neutralisiert Säuren und liefert wichtige Mineralien zur Reparatur des Zahnschmelzes. Kurz gesagt: Er ist die natürliche Schutzschicht unserer Zähne. „Wenn der Speichelfluss im Alter nachlässt, gerät das gesamte Schutzsystem ins Wanken. Der Mund wird trocken, klebrig und plötzlich können sich Bakterien explosionsartig vermehren. Und genau hier beginnt das Problem, das ich bei vielen meiner älteren Patienten sehe: Karies entwickelt sich schnell, oft auch an Stellen, die vorher unproblematisch waren – und das betrifft nicht nur die eigenen Zähne, sondern auch empfindliche Übergänge am Zahnersatz“, sagt Zahnarzt Stefan Windels aus Bochum.
Der Hauptverursacher für Mundtrockenheit: Medikamente
Der häufigste Grund für diese Trockenheit im Alter ist kein Mangel an Trinken, sondern sind Medikamente, die zur Behandlung chronischer Erkrankungen eingenommen werden müssen. Tausende von Medikamenten haben Mundtrockenheit als bekannte Nebenwirkung. Dazu gehören oft:
- Blutdrucksenker (Antihypertensiva)
- Antidepressiva und angstlösende Mittel
- Schmerzmittel (Opioide)
- Allergiemittel (Antihistaminika)
- Herzmedikamente
- Medikamente gegen Inkontinenz
„Sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Apotheker an, wenn Sie vermuten, dass eines Ihrer Medikamente die Mundtrockenheit verursacht. Eventuell gibt es alternative Präparate. Setzen Sie niemals eigenmächtig Medikamente ab“, rät Zahnarzt Windels.
Wie Sie Ihre Zähne und Ihren Zahnersatz schützen können – Einfache und wirksame Mittel
Die gute Nachricht: Sie sind diesem Problem nicht hilflos ausgeliefert! Mit ein paar einfachen Gewohnheiten und gezielter Prophylaxe können Sie Ihre Mundgesundheit im Alter effektiv schützen. Da Ihr Speichelschutz vermindert ist, muss die Pflege umso gezielter sein.
- Häufig Wasser trinken: Das spült Speisereste weg und befeuchtet die Schleimhäute. Am besten nehmen Sie kleine Schlucke über den gesamten Tag verteilt. Auch zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis stimulieren den Speichelfluss mechanisch. Achten Sie auf den Wirkstoff Xylitol (Birkenzucker), da dieser zusätzlich Karies hemmt.
- Koffein und Alkohol reduzieren: Beide Substanzen wirken austrocknend und können das Problem der Mundtrockenheit verschlimmern.
- Ein Luftbefeuchter, insbesondere im Schlafzimmer, kann dabei helfen, die nächtliche Mundtrockenheit zu verringern.
- In der Apotheke gibt es Speichelersatzmittel (Gels, Sprays) oder Pasten, die speziell für Mundtrockenheit entwickelt wurden. Diese spenden Feuchtigkeit und enthalten oft Inhaltsstoffe, die dem Speichel nachempfunden sind.
- Aufgrund der erhöhten Kariesgefahr empfiehlt Zahnarzt Windels älteren Patienten oft, ein- bis zweimal wöchentlich eine hochkonzentrierte Fluorid-Zahnpasta oder ein Fluorid-Gel zu verwenden. Das härtet den Zahnschmelz und erhöht den Widerstand gegen Säuren.
- Regelmäßige Prophylaxe in der Zahnarztpraxis: Der wichtigste Punkt! Die professionelle Zahnreinigung ist bei Mundtrockenheit sehr wichtig. Dabei können Beläge entfernt werden, die Sie selbst nicht erreichen und bei Bedarf hochwirksamer Schutzlack auf Zähne und freiliegende Wurzeloberflächen aufgetragen werden.
Die Trockenheit kann auch dazu führen, dass Prothesen scheuern oder nicht richtig haften. „Achten Sie auf penible Reinigung des Zahnersatzes und des Zahnfleisches darunter, um Entzündungen und Druckstellen zu vermeiden. Mundtrockenheit ist im Alter ein ernstes Thema, das wir ernst nehmen müssen. Es ist mehr als nur ein unangenehmes Gefühl – es ist ein direkter Angriff auf die Haltbarkeit Ihrer Zähne und Ihres Zahnersatzes“, sagt Stefan Windels. „Sprechen Sie mit mir oder meinem Team offen über Ihre Medikamente und die Probleme, die Sie bemerken. Gemeinsam erstellen wir einen individuellen Prophylaxe-Plan, damit Sie auch im besten Alter noch unbeschwert lächeln und genießen können!“